Der Brunnen vor der Kirche Gospa van Grada verbirgt ein seltenes weltweites Phänomen: einen lebendigen Felsen, der ständig wächst. In der historischen Altstadt befindet sich zudem die Šimun-Maulbeere, der älteste Baum der Stadt, der Geschichten über die maritime Tradition und das Überleben von Kriegszerstörungen bewahrt.
DER LEBENDIGE SINTERBRUNNEN

Dieser Brunnen ist selbst im weltweiten Maßstab eine große Seltenheit. Als in den 1920er Jahren das Gelände des ehemaligen Friedhofs vor der Kirche Gospa van Grada in einen Park umgewandelt wurde, brachte man ein Stück Sintergestein vom Skradinski buk hierher und setzte es in die Mitte des Brunnens. Seitdem wächst es dank komplexer physikalisch-chemischer und biologischer Prozesse unaufhörlich.
Sinter, ein Gestein, das durch die Ablagerung von im Wasser gelöstem Kalziumkarbonat entsteht, wurde in dieser Region früher häufig als Baumaterial verwendet, ist heute jedoch streng geschützt und darf nicht abgebaut werden. Dennoch lebt und wächst dieses Naturphänomen aus dem Nationalpark Krka weiterhin mitten im Herzen von Šibenik.
Der Brunnen ist nicht nur eine Attraktion, sondern auch ein Indikator für eine saubere Umwelt, da Sinter nur unter ganz spezifischen Bedingungen in unbelastetem Wasser wachsen kann. Neben Algen und Bakterien spielen Wassermoose eine entscheidende Rolle für den Sinter, wobei das Aussehen des Gesteins von der jeweiligen Moosart abhängt.
Im Laufe der Zeit hat der Brunnen weitere Bewohner bekommen: Rot- und Gelbwangen-Schmuckschildkröten (lat. Trachemys scripta) sowie Süßwasserfische, allen voran Goldfische (lat. Carassius auratus). Einige von ihnen waren einst Haustiere, die ihre Besitzer nicht mehr in Aquarien halten konnten, die aber als invasive Arten nicht in die
freie Natur ausgesetzt werden dürfen. So wurde der Brunnen zu einer Art Zufluchtsort für Tiere.
DIE ŠIMUN-MAULBEERE

Der Weiße Maulbeerbaum (lat. Morus alba) gilt als der älteste Baum in der historischen Altstadt von Šibenik. Das Alter dieser Maulbeere wird auf 150 Jahre geschätzt, ihr Stammumfang beträgt über 300 cm. Sie ist als „Šimun-Maulbeere“ bekannt, benannt nach einer Legende, der zufolge der Seemann Šimun, Mitglied der St.-Nikolaus-Bruderschaft aus Seeleuten und Schiffbauern, den Samen aus dem fernen China mitbrachte und ihn als Buße neben der St.-Nikolaus-Kirche pflanzte. Obwohl die Geschichte vom Votivbaum des Bruders Šimun die Pflanzung ins 17. Jahrhundert datiert, ist der Baum in Wahrheit der einzige Überlebende einer Maulbeerallee vom ehemaligen Obstmarkt, der bei den alliierten Bombenangriffen am 13. Dezember 1943 zerstört wurde.
Maulbeerbäume waren in der Vergangenheit in ganz Dalmatien als Schattenspender beliebt, wo sie gezielt als Alleen auf Plätzen und entlang von Küstenpromenaden gepflanzt wurden; daher zählen diese alten Exemplare heute zum Kulturerbe.


