Was macht diese Kathedrale so besonders, dass die UNESCO sie in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen hat? Das hat uns der große kroatische Erfinder und gebürtige Šibeniker Faust Vrančić bereits vor 400 Jahren in seinem Werk Machinae novae (1615/1616) verraten.
„Diese Kirche ist keine Entdeckung von mir, da sie bereits vor hundertfünfzig Jahren erbaut wurde. Da sie jedoch außergewöhnlich schön und von ungewöhnlicher Form ist, wollte ich sie als Zierde meiner Heimat in meine neuen Entdeckungen aufnehmen. Da sie zudem ohne jegliches Holzwerk errichtet wurde, ist sie nicht wie andere Kirchen mit Ziegeln eingedeckt, sondern vollständig mit großen Steinplatten bedeckt, die sowohl von innen als auch von außen sichtbar sind. Alles Weitere zeigen die Abbildungen.“ Faust war sich der Qualitäten, die dieses Bauwerk von den üblichen Gebäuden seiner Zeit abhoben, zweifellos bewusst. Wir werfen daher einen Blick auf genau jene Merkmale, die später auch von der UNESCO gewürdigt wurden:
Schönheit
Ihre Schönheit verdankt die Kathedrale der einzigartigen organischen Verbindung zweier völlig unterschiedlicher Stile: Gotik und Renaissance. Da sich der Bau aufgrund verschiedener Umstände über 105 Jahre hinzog, kam es zu einer natürlichen Verschmelzung dieser Stile. Zudem ist sie der Ort, an dem die Renaissance dank Juraj Dalmatinac erstmals in Kroatien Einzug hielt. Dieser geniale Baumeister bewahrte die bereits begonnene Kathedrale vor der Mittelmäßigkeit, indem er architektonische Lösungen entwarf, die bis dahin undenkbar waren.

Darüber hinaus bereicherte Juraj die Kathedrale mit seinen Meisterwerken: einem Fries aus 71 menschlichen Köpfen und 3 Löwenköpfen sowie der Taufkapelle im Inneren des Gebäudes. Der Fries ist eine Galerie origineller und individueller Porträts von Zeitgenossen Jurajs. Es sind überwiegend Männer, ergänzt durch einige Frauen- und Kindergesichter. Neben der handwerklichen Brillanz verkörpert dieser Fries den Geist der Renaissance – den Humanismus, bei dem der Mensch als Maß aller Dinge an einem sakralen Bauwerk verewigt wurde. Jurajs Köpfe sind keine Heiligen, die von oben auf uns herabblicken; durch ihre Menschlichkeit und ihre Platzierung auf Augenhöhe sind sie uns ebenbürtig.
Mit seiner eigenhändigen Signatur „Juraj Matejev Dalmatinac“ an den Apsiden sendet uns Juraj zwei Botschaften: Er ist kein anonymer mittelalterlicher Baumeister, sondern ein genialer Meister mit Namen. Und – was für uns besonders wichtig ist – er ist kein Fremder, der uns den Fortschritt brachte, sondern einer von uns, ein Dalmatiner, der in die Welt zog, bereichert zurückkehrte und so seine eigenen, revolutionären Ideen entwickelte.
In der Taufkapelle sehen wir die Essenz seines Schaffens: Auf engstem, sehr intimen Raum verwebt er virtuos gotische Steinspitzen mit Renaissance-Skulpturen. Indem er über dem Taufbecken nur zwei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit darstellt – Gottvater und die Taube des Heiligen Geistes –, macht er jedes frisch getaufte Kind im Becken zum Sohn Gottes. Gibt es eine stärkere humanistische Botschaft als diese?
Nach Jurajs Tod übernahm Nikola Firentinac die Leitung des Baus. Er baute im reinen Renaissancestil, führte Jurajs Ideen fort, vereinfachte sie stellenweise und brachte das Werk zum Abschluss. Er besaß den Mut, die Vision und das Können, Jurajs Entwürfe – die Steingewölbe und die Kuppel – zu realisieren. Zudem hinterließ er uns wunderschöne Renaissance-Skulpturen der Schutzheiligen unterhalb der Kuppel.
Ungewöhnliche Form
Wie Faust sagt, „sowohl von innen als auch von außen“: Das bedeutet, dass die äußere Kontur der Kathedrale exakt dem Innenraum entspricht und diesen getreu nachzeichnet. Die Formen, die Sie von außen sehen, finden Sie – wenn Sie das Innere betreten und den Blick heben – auch im Inneren wieder. Auf diese Weise vermittelt die Kathedrale den Eindruck einer riesigen steinernen Muschel oder eines gewaltigen, umgedrehten Schiffes. Ihre dreiblättrige Renaissance-Fassade ist die einzige ihrer Art, die nicht nur dekorativ ist, sondern tatsächlich widerspiegelt, was sich dahinter befindet. All dies verkörpert den Geist der Renaissance, der nach Klarheit und Ehrlichkeit strebt – es gibt keine Kulissen, die Kathedrale ist, was sie ist: einzigartig in ihrer steinernen, geometrischen Perfektion.
Stein als einziges Baumaterial
All das oben Genannte war nur möglich, weil Stein das einzige verwendete Baumaterial war. Es gibt keine Bindemittel, keine Holzbalken, keine mit Ziegeln gedeckten oder mit Blei ausgegossenen Dächer, wie es sonst üblich war. Die Kathedrale des Heiligen Jakob ist die einzige Kathedrale, die vollständig aus Stein erbaut wurde, und zwar mit einer bis dahin beispiellosen Montagetechnik, bei der jeder Stein passgenau in den nächsten greift. Sogar die Gewölbe und die Kuppel wurden auf diese Weise errichtet. Dieses System, „Nut und Feder“ genannt, wird heute oft vereinfacht mit dem Lego-Prinzip verglichen, um die Bauweise leichter verständlich zu machen.
Das steinerne Dach wirkt wie ein Panzer, der die Kathedrale vor Feuer, aber auch vor feindlichen Geschossen schützt – was sich während des Kroatischen Unabhängigkeitskrieges als nützlich erwies, als die Kuppel getroffen wurde. Gerade der Stein als Material spielte eine entscheidende Rolle, denn wäre sie aus einem anderen Material erbaut worden, hätte sie nicht standgehalten. Die Reparatur der Kuppel bot eine unerwartete Gelegenheit, die Geheimnisse dieses steinernen Puzzles zu entschlüsseln: Durch die Demontage und den anschließenden Wiedereinbau der ausgetauschten Kuppelplatten wurden entscheidende Details der Montagetechnik enthüllt.

Der Kern ihrer Konstruktion ist es, der sie auf die UNESCO-Welterbeliste brachte. Sie ist ein steinernes Zeugnis für die Harmonie von Gotik und Renaissance. Und genau der Stein als einziges Material ist für die Einheit der Kathedrale als Ganzes verantwortlich, sodass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass der Stein in der Kathedrale von Šibenik die Stile vereint hat. Sie ist eines der wenigen Bauwerke ihrer Art, das im Laufe der Zeit nicht verändert wurde, sondern seine ursprüngliche Form bewahrt hat und somit vollständig im Originalzustand erhalten ist.
Besuchen Sie die Kathedrale des Heiligen Jakob
Denken Sie bei Ihrem Besuch daran, dass die Kathedrale auch das lebendige Herz der Gemeinde ist – ein Ort des Gottesdienstes, des Gebets und der Stille. Achten Sie daher bitte auf angemessene Kleidung und verhalten Sie sich ruhig. In der Kathedrale finden regelmäßig Hochzeiten statt – was nach der Zeremonie draußen auf dem Platz vor der Kathedrale ein Spektakel für sich ist –, und in der Taufkapelle des Heiligen Georg werden auch heute noch Kinder getauft.

Die Kathedrale verfügt auch über ein eigenes Interpretationszentrum. Es heißt Civitas sacra was auf Lateinisch „heilige Stadt“ bedeutet und das jahrhundertealte Bestreben der Einwohner von Šibenik symbolisiert, eine bis dahin beispiellose Kathedrale zu errichten. Im Rahmen der Ausstellung erfahren Sie durch interaktive Elemente mehr über die Geheimnisse des Kathedralenbaus, während Sie gleichzeitig wertvolle sakrale Kunstwerke bewundern können, für die Šibenik bekannt ist. Es befindet sich nur 3 Gehminuten von der Kathedrale entfernt in der Straße Kralja Tomislava, die von den Einheimischen nach alter Tradition immer noch Kalelarga genannt wird.


