„Wenn ein Pilger ein halber Tourist ist, dann ist ein Tourist ein halber Pilger“ – dieses bekannte Sprichwort unterstreicht die Verflechtung dieser beiden Reisenden, die, wenn auch mit unterschiedlichen Beweggründen, aus ihrem Alltag ausbrechen, um eine Erfahrung zu suchen, die sie verändern wird.
Pilgerreisen zum heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela fanden bereits im 9. Jahrhundert statt, und die ersten Pilger aus dem Gebiet des heutigen Kroatiens wurden 1203 verzeichnet, als der Camino auf europäischer Ebene populär wurde. In Šibenik selbst wurde 1414 die Bruderschaft des heiligen Jakobus von Compostela gegründet. Die Mitglieder waren verpflichtet, den Camino zu gehen oder, falls dies aus irgendeinem Grund nicht möglich war, einen Beitrag an die Kirche des heiligen Gregor zu leisten, in der die Bruderschaft ihren Sitz hatte. Noch heute ist über dem Fenster der Kirche das eingemeißelte Wappen der Jakobusbruderschaft mit den Symbolen der Camino-Pilger zu sehen: die Jakobsmuschel und zwei gekreuzte Pilgerstäbe. Die Häufigkeit der Pilgerreisen der Einwohner von Šibenik nach Compostela im Vergleich zu anderen beliebten Wallfahrtsorten ist auf die besondere Tradition der Verehrung des heiligen Jakobus in Šibenik zurückzuführen, der auch der Schutzpatron der Kathedrale selbst ist.
Im Jahr 2019 begann Kroatien unter dem Namen Camino Hrvatskamit der Wiederherstellung seiner mittelalterlichen Pilgerwege nach Santiago de Compostela. Hinter dem Projekt steht die Bruderschaft des heiligen Jakobus, ein gemeinnütziger Verein, der die Tradition aller gleichnamigen kroatischen Bruderschaften der Vergangenheit fortsetzt und wiederbelebt und der offizielle kroatische Vertreter bei der Föderation Camino Europa ist. Die Bruderschaft schreibt auf ihrer offiziellen Website: „Camino Hrvatska ist ein Projekt, das das gemeinsame europäische Erbe und die Identität fördert, zur nachhaltigen Entwicklung lokaler Gemeinschaften beiträgt, gesunde Lebensgewohnheiten mit einem einzigartig wirksamen Anti-Stress-Effekt unterstützt, Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten zusammenbringt und ihnen hilft, inneren Frieden zu finden.“

Bisher wurden in ganz Kroatien über 3000 km Camino-Wanderwege markiert, und die Arbeit geht weiter, da aktiv an der Kennzeichnung neuer Routen gearbeitet wird. Camino Šibenik wurde 2022 gegründet, wodurch Šibenik Mitglied der Europäischen Föderation der Jakobswege wurde, was die Verbindung der Stadt mit dem europäischen Camino-Erbe stärkt. Die Route ist hervorragend ausgeschildert und erstreckt sich über 108 Kilometer, die Sie größtenteils direkt entlang der Meeresküste oder mit Blick auf das Meer zurücklegen können. Der Camino Šibenik beginnt in Marina, das zwar zur benachbarten Gespanschaft Split-Dalmatien gehört, aber seit jeher Teil des Bistums Šibenik ist, und endet in Pirovac. Weitere Stationen auf der Route sind: Rogoznica, Primošten, Grebaštica, Vrpolje, Šibenik, Jadrija, Vodice und Tribunj. Die Stempel von Grebaštica, Vrpolje, Šibenik und Jadrija für den Pilgerpass und das Camino-Šibenik-Zertifikat erhalten Sie im Tourismus-Informationszentrum in Šibenik und im Pfarrbüro der Kathedrale des heiligen Jakobus. Den Pilgerpass können Sie im Interpretationszentrum Civitas Sacra sowie im genannten Pfarrbüro erwerben.
Aufgrund der Sanftheit und Schönheit dieses Teils der dalmatinischen Küste gilt der Camino Šibenik als eine der schönsten Routen. Genau auf halber Strecke erreicht die Route ihren spirituellen Höhepunkt in Šibenik, wo Sie ein UNESCO-Juwel erwartet: die Kathedrale des heiligen Jakobus, dem Heiligen, dem der Camino gewidmet ist.


